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Studieren im Kulturbereich – Aber was?

von Amelie Hauser.

Fragt Ihr Euch auch…?

… was Kultur eigentlich ist und wie sich diese begreifen und erforschen lässt?

… wie Menschen ihren Alltag und ihr Zusammenleben heute organisieren und in der Vergangenheit organisiert haben?

… wie sich verschiedene kulturelle Lebensweisen voneinander unterscheiden?

Wer im Lexikon nach einer Definition für Kultur sucht, findet etwa folgende Erläuterung:

Kultur bezeichnet alles, was der Mensch selbstgestaltend hervorbringt und umfasst alle formenden Umgestaltungen eines gegebenen Materials.

Hierzu zählen verschiedene Bereiche wie etwa Technik, Landwirtschaft, bildende Kunst sowie geistige Gebilde wie Musik, Sprachen, Religion, Recht, Wirtschaft und Wissenschaften. Ein breit gefächertes Feld. Eine eher unbefriedigende Definition. Kultur – quasi Alles und Nichts. Ein Glück, dass es verschiedene Studiengänge im Kulturbereich gibt, die das Thema weiterzuspitzen. Ob Kulturwissenschaften, Kulturanthropologie, Kulturmanagement oder Interkulturelle Studien – Wir zeigen Euch, wo die Unterschiede liegen und welche Berufe ihr mit den abgeschlossenen Studiengängen ausüben könnt. Willkommen im Dschungel der kulturellen Studienfächer!

 

 

Kulturwissenschaft

Sicherlich der allgemeinste der möglichen Grund- und Masterstudiengänge im kulturellen Sektor:
Das Bachelorstudium „Kulturwissenschaft“ stellt die historische und materialorientierte Analyse europäischer Kulturen von der Antike bis zur Gegenwart in den Vordergrund. Sie geht davon aus, dass sich Kulturen über Wissen und Wissenspraktiken konstituieren. Kulturwissenschaft behandelt in diesem Rahmen Geschlechterordnungen, Wahrnehmungs- und Bewertungsschemata, Mythen und religiöse Kulte, Künste, symbolische Ordnungen, Kultur-, Medien- und Körpertechniken. In diesem Studium behandelt ihr die Geschichte, Medialität, Ästhetik und Materialität kulturell hervorgebrachten und überlieferten Wissens sowie die Theorie von Kulturtechniken wie etwa Schreiben, Lesen, Darstellen, Rechnen, Gestalten etc. Ihr beobachtet und rekonstruiert kulturelle Prozesse anhand von Gesellschafts-, Medien- und Kulturtheorien. Im gleichnamigen Masterstudium könnt Ihr Euer angeeignetes Wissen anwenden und weiter vertiefen.

Fertig studiert und ab in die Arbeitswelt! Aber wie? Als Kulturwissenschaftler*innen beschreibt Ihr kulturelle Prozesse in unterschiedlichen Kulturräumen von der Antike bis zur Gegenwart und Eure Forschungsarbeiten münden häufig in praktischen Kulturprojekten. Ihr könnt in der geisteswissenschaftlichen Forschung (zum Beispiel an Hochschulen) arbeiten, aber auch in Museen und Kultureinrichtungen (etwa im Bereich Kulturmanagement) oder im Bereich der öffentlichen Verwaltung wie zum Beispiel im Kulturamt. Welche Aufgaben Euch im Kulturamt erwarten, könnt Ihr hier nachlesen. Kulturwissenschaften könnt Ihr beispielsweise in Berlin, Bremen, Koblenz, Leipzig oder Potsdam studieren.

 

Kulturanthropologie

Anthropologie – zusammengesetzt aus dem altgriechischen anthropos ‚Mensch‘ und logos ‚Rede‘ meint die Lehre und Wissenschaft vom Menschen und seiner Entwicklung. In diesem Studium lernt Ihr verschiedene soziale, politische, wirtschaftliche und religiöse Formen kennen, in denen Menschen ihr Miteinander organisiert haben und organisieren und welche Bilder sie von sich und ihrer Umwelt entwerfen. Ihr beschäftigt Euch besonders mit der Theorie und Geschichte der Alltagskultur verschiedener Menschengruppen und erfahrt die Vielfalt menschlichen Zusammenlebens – alltägliche Praktiken, kulturelle Kodierungen, Geschlechterrollen, Machtverhältnisse u.v.m. Wie konstituieren sich Praktiken, Objektivationen und Repräsentationen in unterschiedlichen Alltagsgefügen und Gemeinschaften? Im Bereich der Kulturanthropologie spielen die Sozialtheorie, die Ethnologie, die Kulturgeschichte und die historische Anthropologie eine zentrale Rolle. Je nach Universität oder Hochschule ist das Fach zudem mit anderen Studiengängen wie Film-, Theaterwissenschaften oder Museumsstudien eng verknüpft: Mainz, Göttingen, Bonn, Freiburg oder Frankfurt am Main sind Hochschulorte, wo Ihr dieses Fach studieren könnt.

Wo kann ich nach dem Studieren arbeiten? Als Kulturanthropolog*innen könnt Ihr in verschiedenen Berufsfeldern tätig sein: Im Bereich der Erwachsenenbildung aber auch im Journalismus könnt Ihr mit Eurem Wissen Verlage oder Rundfunkanstalten unterstützen. Ihr könnt als Kulturanthropolog*innen ebenso im Museum oder im Theater arbeiten oder die Forschung an einer Hochschule unterstützen. Die Übergänge sind hier etwas fließend: Es ist immer ratsam während des Studiums durch Praktika erste Berufserfahrungen zu sammeln, um entscheiden zu können, wo Euch die Arbeit im Kulturbereich am meisten Spaß bereitet.

 

Interkulturelle Studien

Wer sich für das Studienfach „Interkulturelle Studien“ entscheidet, untersucht die Beziehungen und Besonderheiten verschiedener Kulturen und legt sich dabei auf eine bestimmte Landeskultur fest. Zunächst setzt Ihr Euch intensiv mit der jeweiligen Landessprache der von Euch als Schwerpunkt gewählten Nation auseinander. Ihr lernt Literaturtradition, Politik- und Wirtschaftsgeschichte, Migrations- und Diversitätsstrukturen  kennen, aber auch die Kunst-, Musik- und Filmgeschichte des Landes oder Sprachraumes. Welche Inhalte Euch genau erwarten, hängt von der Wahl der Hochschule aber auch vom gewählten Schwerpunkt ab: Deutsch-französische Studien, ein Schwerpunkt in Amerikanistik, Koreanistik oder Japanologie… hier gibt es nahezu keine Grenzen! Im Zentrum Eures Studiums steht dabei immer die grundlegende Frage, was die jeweilige Kultur kennzeichnet und wie sie sich theoretisch beschreiben und methodisch erforschen lässt. Die meisten Hochschulen im Bereich „Interkulturelle Studien“ arbeiten eng mit ausländischen Partneruniversitäten zusammen, so dass im Studienverlaufsplan häufig ein Auslandsaufenthalt vorgesehen ist. So könnt Ihr die Kultur wirklich vor Ort erleben! In einem anschließenden Masterstudium könnt Ihr die Konzentration auf Eure gewählte Zielregion noch vertiefen. Dieses Fach könnt Ihr u.a. in Bayreuth, Halle-Wittenberg, Freiburg oder Kiel studieren.

Und nach dem Studium? Da Ihr Euch in diesem Studienfach vor allem auf eine Zielregion beschränkt, könnt Ihr Euch die intensive Sprach- und Kulturkenntnis besonders zu Nutzen machen:
Im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, der Erwachsenenbildung, im Kulturmanagement, der Unternehmensberatung, international ausgerichteten Unternehmen, Museen oder anderen Kultureinrichtungen sowie der Tourismusbranche. Euch stehen viele Türen offen, denn mit Eurer Studienausbildung seid Ihr Expert*innen in der von Euch spezifizierten Landeskultur!

 

Leuphana Universität Lüneburg
© Gerrit Gutzeit

Kritik der Gegenwart (Masterstudium)

Immer noch nicht speziell genug? Der Masterstudiengang „Kritik der Gegenwart“ an der Leuphana Universität Lüneburg vermittelt kulturwissenschaftliches Wissen über die aktuellen gesellschaftlichen Transformationsprozesse, die mit Begriffen wie Globalität, Kapitalismus, Ökologie, Migration, Kolonialität oder Digitalität und mit der zunehmenden Bestreitung von Aufklärung, Demokratie und sozialem Geschlecht nur umrissen sind. In diesem Studiengang lernt ihr diagnostisch, methodisch und kritisch mit den Problemlagen unserer komplexen Gesellschaft in der Gegenwart umzugehen. Verschiedene Module bieten einen Zugriff auf das Thema: Künste umfasst zeitgenössische Kunst, Kunst der Moderne und Literatur, performative Künste, Kunsttheorie, Ästhetik und Kunstkritik. Theorie umfasst Philosophie, Kulturtheorie, ästhetische Theorie, Medientheorie sowie verschiedene Ansätze kritischer Theoriebildung wie feministische, posthumanistische, postkoloniale und dekoloniale Theorie sowie Queer Theory und Ökonomiekritik. Geschichte verweist auf die historisch notwendige Tiefendimension der Problemfelder und öffnet den Raum, damit eine Kritik der Gegenwart überhaupt möglich wird.

Wo könnt Ihr arbeiten? Als Absolvent*innen dieses Masterstudiums könnt Ihr sowohl im wissenschaftlichen Bereich zum Beispiel in universitären Forschungszentren als auch in Berufen der Kultur-, Kunst-, Medien- und Kreativindustrie arbeiten, da in all diesen Feldern kulturwissenschaftlich-diagnostische Schlüsselkompetenzen erwartet werden. Auch politische, zivilgesellschaftliche Organisationen oder Wirtschaftsunternehmen werden Eurer Vermögen zu kritischer Reflexion begrüßen. Also rein ins Studium und dann ab ins Museum, Verlagswesen, Theater, die Journalismus- oder Kulturveranstaltungsbranche. Ihr werdet gebraucht!

Vergesst nicht! Je nach Hochschule erwarten Euch unterschiedliche Module, so dass die Fächer verschieden ausgelegt sein können. Selbstverständlich findet Ihr im Web noch viele Studiengänge im Kulturbereich mehr als unsere vier genannten Beispiele.

 

Referenzen und weiterführende Links:

https://www.leuphana.de/graduate-school/master/studienangebot/kulturwissenschaften-kritik-der-gegenwart.html

https://www.uni-bayreuth.de/de/studium/bachelorstudium/interkulturelle_studien/index.php

https://www.aubi-plus.de/studiengang/interkulturelle-studien-4352/

www.berufenet.arbeitsagentur.de

https://www.studium.uni-mainz.de/bachelor-kulturanthropologie/

https://www.uni-goettingen.de/de/636657.html

https://www.uni-goettingen.de/de/39734.html

https://www.studium.uni-freiburg.de/de/studienangebot/studienfaecher/info/692

https://www.ph-ludwigsburg.de/11647.html

http://www.kumebi.de/Bachelor/

https://www.culture.hu-berlin.de/de/studium/studienangebot/ba-kulturwissenschaft