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Ein Dach über dem Kopf der Kölner Kunstszene

von Amelie Hauser.

Wir müssen bezahlbaren Wohnraum schaffen!

Ein Satz, der jeder Person, die in der Großstadt lebt, nicht nur aus den Medien bekannt sein sollte. Doch nicht nur der Mangel an Wohnraum oder die immens hohen Wohnungsmieten erschweren den Einwohner*innen großer Städte das Leben, auch die Ateliersituation für freischaffende Künstler*innen und Kulturschaffende ist verbesserungswürdig. Auch wir als kulturelle Einrichtung der freien Kulturszene Kölns werden mit dieser Problematik des Öfteren konfrontiert. Deswegen haben wir uns dazu entschieden insbesondere jungen Künstler*innen, die gerade am Beginn ihrer Karriere stehen mit unserem Programm „Raum für Kreative“, die Möglichkeit zu bieten ihrer kreativen Arbeit in einem Atelier nachgehen zu können. Jedoch ist natürlich auch hier die Frage gegeben, wie an die passenden Räumlichkeiten gelangt werden kann. Eine Umfrage der Stadt Köln vom 01. Juni 2018 fasst erstmals bestehende Probleme zusammen und gewährt einen Einblick in die Wünsche der betroffenen Künstler*innen.

Wer steckt hinter Kölns Kunst- und Kulturszene?

Kölns Kunst- und Kulturszene besteht laut der 461 Befragten zu 52,49% aus Maler*innen, 38,83% Zeichner*innen, 31,89% Bildhauer*innen sowie 29,28% Installateur*innen und 28,85% Fotograf*innen. Die Schwerpunkte der künstlerischen Arbeit sind fließend und viele verschreiben sich mehreren Tätigkeiten. Zu über 96% arbeiten die Kulturschaffenden allein und nur selten als Mitglied einer Künstlergruppe. Dies stellt die Stadt bereits vor das Erste Problem, da die meisten gerne ein eigenes Atelier zur Verfügung hätten und nur in etwa 50% der Fälle einer Mehrfachnutzung des Ateliers durch weitere Künstler*innen zustimmen würden.

Atelier in Köln-Lindenthal

Ein Großteil der Befragten ist zwischen 50 und 60 Jahre alt, viele über 40 Jahre oder sogar über 60 Jahre alt. Die meisten Befragten sind weiblich (58,79%). 33 der Künstler*innen sind zudem von einer körperlichen, geistigen oder seelischen Einschränkung betroffen und benötigen somit besondere Ateliergegebenheiten wie einen einfachen Zugang, einen Aufzug, barrierefreie Toiletten etc. Man sieht, dass mindestens die Hälfte aller Suchenden ein individuelles Atelier benötigen bzw. erwünschen. Als gemeinnütziger Verein wollen wir unsere angemieteten Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, um die Ateliersuche für Künstler*innen etwas zu erleichtern. Eine Bereitstellung von individuellen Ateliers ist uns jedoch leider auch nur in wenigen Fällen möglich. Vielmehr können wir mit Gemeinschaftsateliers dienen. Auch diese sind bei vielen Künstler*innen gefragt! Je nach Kunstbranche, dem persönlichen Zeitumfang sowie des Bedarfes an Platz und Raum, bietet es sich auch an, seiner Kreativität in einem gemeinsam genutzten Atelier nachzugehen. Hier sind die Mieten geringer und es findet stetig ein kreativer Austausch statt, der oftmals sogar neue Kooperationen und Projekte zustande bringt.

Das Kölner Atelierproblem am Schopf gepackt…

Trotz der Möglichkeit der Bereitstellung einiger Gemeinschaftsateliers ist das Problem damit noch nicht gelöst: Von 395 befragten Künstler*innen haben bereits 58,23% ein Atelier in Köln. Für die 34,68% auf die das nicht zutrifft, spielt der Mangel an finanziellen Mitteln eine große Rolle. Aber auch zu wenige Angebote sowie die bisherige Möglichkeit von zuhause aus zu arbeiten, werden unter den Gründen kein Atelier zu haben aufgeführt. Schaut man sich die durchschnittlichen Mietpreise eines Ateliers in Köln an, wird schnell klar, wo der Kern des Problems liegt. Die meisten Befragten zahlen fast 450 Euro Gesamtmiete pro Monat für die Nutzung eines Ateliers. Dass dies nicht nur in Zeiten der aktuellen Corona Krise ein Problem darstellt, liegt auf der Hand. Ein weiteres ist die mangelnde Förderung durch die Stadt Köln. Gerade einmal 16,02% erhalten einen Mietzuschuss des Kulturamtes der Stadt Köln. Über 80% müssen neben ihrer Wohnmiete die Kosten für ein Atelier allein tragen. Da sich für viele Kulturschaffende nur ein Atelier in der Kölner Innenstadt oder der näheren Umgebung mit guter Anbindung lohnt, wird der Mietpreis in die Höhe getrieben.

Ein Atelier kommt selten allein: Lagermöglichkeiten für Kunstarbeiten

Gerade bei handwerklichen Tätigkeiten werden zusätzliche Lagerflächen benötigt, die nicht nur Struktur in das genutzte Studio bringen, sondern auch ein entspannteres Arbeitsumfeld und mehr Raum für Kreativität und Inspiration der Künstler*innen schaffen. Über 70% der Befragten gaben an, dass sie nicht über externe Lagermöglichkeiten verfügen. Dass ein Lagerraum, falls vorhanden, auch zusätzliche Kosten verursacht, verstärkt die Problematik. Interessant ist zudem, dass vorhandener Lagerraum der meisten Befragten außerhalb Kölns situiert ist. Ein Pendeln von genutztem Atelier in der Kölner Innenstadt zur außerhalb liegenden Lagerfläche bedeutet somit einen zusätzlichen Zeit- und Kostenaufwand für die Künstler*innen. Oft genannte Probleme liegen auch in der Größe des Lagerraums sowie der Raumfeuchtigkeit und dem Zugang. So kommt es, dass über 60% mit ihrer Lagermöglichkeit nicht zufrieden sind.

Vom Wunsch zur Realität

Für viele Kulturschaffende ist der Wunsch eines bezahlbaren, nach Möglichkeit durch städtische Zuschüsse geförderten Ateliers mit angebundener Lagermöglichkeit groß. Der Standort sollte sich nahe der Wohnung der Künstler*innen befinden oder aber gut erreichbar sein und über Parkmöglichkeiten verfügen. Ateliers in den Kölner Außenbezirken kommen nur bei günstigen Preisen und guter Anbindung in Frage, ansonsten wird eine Lage in der Innenstadt bevorzugt. Die Ausstattung der Ateliers sollte in den allermeisten Fällen mindestens über eine Heizung verfügen, damit den Künstler*innen auch ein Arbeiten in den Wintermonaten möglich ist und sich zudem die Raumtemperatur für empfindliche Arbeiten regeln lässt. Ein Wasseranschluss sowie gemeinschaftliche Sanitäranlagen sind für fast 70% unumgänglich bei der Auswahl eines Ateliers. Auch Möglichkeiten zur Durchlüftung und Tageslicht werden als Kriterien gerne genannt. Türhöhen und -breiten, Deckenhöhen, ebenerdige Zugänge und viele weitere Aspekte sind zudem für individuelle Arbeiten der Künstler*innen von Bedeutung, gerade wenn es sich um Projekte von enormer Größe handelt.

Auch wenn die Lage verbesserungsbedürftig scheint, ist mit der Umfrage des Kulturamtes der Stadt Köln bereits ein erster Schritt in die richtige Richtung getan. Die Auswertung der erhobenen Daten weist bereits auf die priorisierten Faktoren der Künstler*innen hin und zeigt auf, wo am meisten Handlungsbedarf ist. So bleibt zu hoffen, dass im Rahmen des Kulturentwicklungsplans oder weiterer, zukünftiger Projekte der städtischen Kulturabteilung zu einer Besserung der Ateliersituation beigetragen werden kann, um so die Kölner Kulturszene auch in Zukunft zu unterstützen.

Und manchmal kann es auch ganz einfach sein. Ein uns bekannter Künstler war kürzlich auf der Suche nach einem neuen Atelier. Ein Anruf beim Kulturamt reichte bei ihm bereits aus und prompt hatte er ein passendes Atelier in Köln-Ehrenfeld gefunden. Jede*r, die/der den Wunsch nach den eigenen vier kreativen Wänden hat, sollte die Ateliersuche in Köln daher nicht zu schnell aufgeben! Vielleicht können wir sogar helfen und beraten – meldet euch dafür gern unter space@daskulturgetriebe.de