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Auf den Spuren der Museumsgeschichte Kölns

von Leah Niederhausen

Wallraf, Richartz, Rautenstrauch, Ludwig… allen, die sich schon mal in der Kölner Museumslandschaft bewegt haben, dürften diese Namen etwas sagen. Aber warum nochmal? Wer waren diese Menschen und warum werden sie immer wieder im Zusammenhang mit der Vielfalt der Kölner Museumsszene – neun städtische und 25 freie Museen – erwähnt?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Eine davon ist in Pandemiezeiten so populär geworden wie selten zuvor: das Spazierengehen. Auf den Spuren der Museumsgeschichte Kölns soll ein Stadtspaziergang Einblicke geben: In die Hintergründe einer der facettenreichsten Museumsszenen Deutschlands und Europas, welche Menschen für deren Entwicklung ausschlaggebend waren und wo sie uns in unserem Kölner Alltag immer wieder begegnen.

Ehemaliges Gebäude des Rautenstrauch-Joest-Museum,

Unser Stadtspaziergang beginnt am Ubierring. Auf Höhe der Hausnummer 43 ist das ehemalige Gebäude des Rautenstrauch-Joest-Museums zu sehen. 1901 als Rautenstrauch-Joest-Museum für Völkerkunde gegründet wurde fünf Jahre später das Museumsgebäude am Ubierring eröffnet und zeigte die aus rund 3.500 Objekten bestehende Privatsammlung des Weltreisenden Wilhelm Joest. Dieser war bereits 1897 verstoben, doch in seinem Gedenken wollte seine Schwester Adele, verheiratet mit dem Kölner Kaufmann Eugen Rautenstrauch, die Sammlung ihres Bruders der Allgemeinheit zugänglich machen. Noch heute ist das Museum nach Wilhelm Joest und Adeles Ehemann, der kurz nach ihrem Bruder starb, benannt, obwohl keiner von beiden die Gründung des Museums erlebte. Da die Museumssammlung im Laufe des 20. Jahrhundert kontinuierlich wuchs, wurde ein Neubau notwendig und das Museum verließ 2008 sein Gründunggebäude am Ubierring. Dieses wird momentan von der Integrierten Gesamtschule Innenstadt aufgrund von Renovierungsarbeiten als zusätzliche Räumlichkeiten genutzt.

Frontansicht auf das Wallraf-Richartz-Museum & Foundation Corboud © Laurens Lamberty (via Wikimedia Commons)

Durch die Südstadt laufen wir weiter Richtung Heumarkt. Der zweitgrößte Platz Kölns ist vor allem für das Friedrich Wilhelm III. gewidmete Reiterdenkmal bekannt, das 1887 eingeweiht wurde und verschiedene Persönlichkeiten abbildet, die sich in den Augen der Künstler besonders um das Land verdient gemacht haben, so wie Ludwig van Beethoven oder Friedrich Hegel. Einer von ihnen ist Ferdinand Franz Wallraf (1748 – 1824). In der vierten Reliefplatte wird er als Förderer des Kölner Doms dargestellt. Tatsächlich aber hat er deutlich mehr zur heutigen kulturellen Vielfalt Kölns beigetragen als Spenden für die Baukunst. Als Kanonikus, Universitätsrektor und begeisterter Sammler stellte er Zeit seines Lebens eine Sammlung von über 80.000 Objekten aus Mineralien, Büchern, Landkarten, Gemälden, Altären und vielem mehr zusammen. Seine enorme Sammlung sollte den Grundstein legen für das älteste Museum Kölns: das Wallraf-Richartz-Museum.

Der Neubau am Rathaus beherbergt seit 2001 eine der größten Kunstsammlungen Europas, basierend auf Wallrafs Sammlung. Diese hatte er bei seinem Tod 1824 der Stadt vererbt, mit dem Ziel, sein gesammeltes Wissen im Sinne der Aufklärung der Kölner Bevölkerung zugänglich zu machen. Schwierig gestaltete sich jedoch die Suche nach einem Gebäude, das groß genug war, um dem Umfang Wallrafs Sammlung gerecht zu werden. Es dauerte dreißig Jahre, bis 1854 der Kölner Kaufmann Johann Heinrich Richartz (1795 – 1861) ein passendes Gebäude stiftete. So konnte 1861 das erste Museum Kölns gegründet werden, damals noch auf dem Gelände des ehemaligen Minoritenklosters in der Nähe des Doms. Im Nahmen würdigt es bis heute seinen Sammler und Stifter sowie seit 2001 das Ehepaar Corboud, das dem Museum seine bedeutende Sammlung des Impressionismus überließ.

Vom Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud aus ist das Kölner Rathaus zu sehen, das bereits im 12. Jahrhundert gegründet wurde. Wie beim Reiterdenkmal am Heumarkt werden auch auf dem Rathausturm zahlreiche Figuren mit besonderer Bedeutung für die Stadt Köln abgebildet, unter ihnen erneut Ferdinand Franz Wallraf. Aber auch eine andere für die heutige Museumsszene bedeutende Figur ist dargestellt: Josef Haubrich. Josef Haubrich (1889 – 1961) war ein Kölner Jurist und Kunstsammler, dem es gelang, seine Sammlung expressionistischer Kunst vor dem NS-Regime zu bewahren und sie 1946 der Stadt Köln als Ersatz für die im Dritten Reich beschlagnahmten Werke schenkte. Damit ermöglichte er eine Zeit des Aufbruchs und Neuanfangs in der nachkriegszeitlichen Kölner Kulturszene. Besonders interessant: seine Figur auf dem Rathausturm wurde 1991 von Irene und Peter Ludwig gestiftet.

Museum Ludwig von der Ostseite © Franz Gerd Frank (via Wikimedia Commons)

Irene (1927 – 2010) und Peter Ludwig (1925 – 1996) dürften den meisten jedoch nicht durch diese Spende, sondern aufgrund ihrer umfassenden Sammlung moderner Kunst bekannt sein, die im 1976 gegründeten Museum Ludwig zwischen Dom und Rhein untergebracht ist. Neben der Sammlung Ludwig stellt das Museum auch einen großen Teil der expressionistischen Sammlung Haubrichs aus, wodurch es zu einem der bedeutendsten Museen der Gegenwartskunst Europas zählt. Bis 2001 teilten sich das Museum Ludwig und das Wallraf-Richartz-Museum dieses Gebäude an der Bischofsgartenstraße, bis die Sammlungen zu groß wurden und das Wallraf-Richartz-Museum in den Neubau am Rathaus umzog.

Bevor das Wallraf-Richartz-Museum 1986 mit dem Museum Ludwig zusammengelegt worden war, hatte es seinen Sitz gegenüber des WDR-Funkhauses, heute der Ort des Museums für Angewandte Kunst Köln, das makk. Auf dem Weg dorthin überqueren wir den Wallraf Platz, benannt nach der Stelle des ehemaligen Wohnhauses Wallrafs. Von dort aus baute er sich über Jahrzehnte seine Sammlung auf. Besonders einschneidend war dabei 1794 die Übernahme Kölns durch französische Truppen. Im Geiste der Säkularisation entfernten die Truppen bis 1814 sakrale Kunst und Altäre aus über 40 Kirchen. Den Wert der Objekte erkennend versuchte Wallraf so vieles wie möglich zu retten und bewahrte dabei einige der heute bedeutendsten Kölner Kunstschätze wie Albrecht Dürers Pfeifer und Trommler, das heute im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud zu besichtigen ist. Darüber hinaus war Franz Ferdinand Wallraf der letzte Universitätsrektor der Alten Universität zu Köln, die 1388 gegründet, 1798 unter der französischen Besatzung geschlossen und erst 1919 als Neue Universität zu Köln wiedereröffnet wurde.

Museum für Angewandte Kunst Köln © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Bis zum Neubau des Museums Ludwig war das Wallraf-Richartz-Museum im jetzigen Museum für Angewandte Kunst untergebracht und machte bereits dort einige Stücke aus der Sammlung Ludwig zugänglich. Das Gebäude wurde 1957 eröffnet, nachdem der ursprüngliche Museumsbau von 1861 bei einem Bombenangriff 1943 vollends zerstört worden war. Die Sammlung konnte jedoch durch Evakuierungsmaßnahmen gerettet werden. Zum Gedenken an Wallraf und Richartz befindet sich vor dem Museumsgebäude eine Doppelstatue. Das Museum für Angewandte Kunst zog 1989 in das Gebäude, gegründet worden war es jedoch schon 1888, erneut fungierte die Sammlung Ferdinand Franz Wallrafs als Grundstein. Unter anderem sind Teile seiner Sammlung heute auch im Germanisch-Römischen Museum und im Museum Schnütgen zu sehen.

Unser Stadtspaziergang führt uns natürlich noch weiter – wir freuen uns, wenn Ihr wieder dabei seid! Der nächste Beitrag unserer Museumserkundungsreihe führt uns zunächst zum neuen Gebäude des Rautenstrauch-Joest-Museum…