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Wie werde ich eigentlich Museumspädagog*in?

von Marie Brüggemann

Wie werde ich eigentlich Museumspädagog*in?

Diese Frage musste ich mir vor kurzem stellen – denn kurz vor Abschluss eines Masters der Kulturanthropologie kombiniert mit einem Ergänzungsbereich in ‚Museumsstudien‘ an der Universität Bonn – weiß ich eigentlich gar nicht so recht was danach kommt. Vor allem schwebt mir die Frage im Kopf umher, ob ich mit meinem Masterabschluss tatsächlich irgendwann in einem Museum arbeiten könnte, vielleicht ja sogar in der Museumspädagogik und Kunstvermittlung. Ist das ohne ein Studium in der Kunstgeschichte überhaupt möglich? Welche anderen Stationen braucht es noch, damit ich anderen Menschen Kunst und Kultur vermitteln könnte? Vielleicht könnte eine Weiterbildung in der ‚Museumspädagogik‘ mich weiterbringen?

Viele Fragen, auf die es wohl nicht die eine Antwort gibt. Bei einer Recherche im Internet finde ich heraus, dass es keinen spezifischen Studiengang für Museumspädagogik gibt – jedoch könnten Studiengänge in den Bereichen Kunstpädagogik, Museologie oder im Kulturmanagement zu einer Stelle in der Museumspädagogik hinführen. Ein Austausch mit jenen, die bereits ihren Weg in die Museumspädagogik gefunden haben, erschließt sich mir letztlich als die beste Möglichkeit, um mehr zu erfahren.

 

Anna Döbbelin
(c) Nathan Ishar

Das Museum als Arbeitsplatz

Das Museum ist wahrscheinlich einer der wenigen Arbeitsorte, an dem so gut wie keine Karriere der anderen gleicht. Diese Erkenntnis ergibt sich mir im Gespräch mit Anna Döbbelin und Nina Paszkowski. Beide arbeiten als Museumspädagog*innen bzw. Kunstvermittler*innen für den Museumsdienst Köln. Sie sind jene, die uns dabei unterstützen uns kritisch mit unterschiedlichen Vorstellungen und Interpretationen zu den einzelnen Werken auseinanderzusetzen. Als Museumspädagog*innen leisten Anna und Nina Vermittlungsarbeit, konzipieren und leiten Führungen, organisieren Veranstaltungen und gestalten Ausstellungen nach pädagogisch-didaktischen Prinzipien.

 

Facettenvielfalt auf dem Weg in die Museumsarbeit

Nina arbeitet seit ungefähr 3 Jahren für den Museumsdienst Köln. Ein Studium im pädagogischen Bereich hat sie nicht absolviert. In ihrer schulischen Ausbildung erhielt sie jedoch die Chance einen

Schwerpunkt auf Kunst zu legen. Durch die Möglichkeit die Ateliers ihrer Schulen nutzen zu können (in Freistunden und auch nach Schulschluss), konnte sie sich bereits in frühen Jahren regelmäßig kreativ ausleben. Trotz ihres vergleichsweisen frühen Interesses an der Kunst, strebte sie zunächst kein Studium in der Kunsthistorik an – sie interessierte ein Studium in der Psychologie. Im Nachhinein war dieser Wunsch wahrscheinlich gar nicht so weit entfernt von ihrer jetzigen Arbeit, denn Vermittlung ist letztlich das Erforschen vom menschlichen Zugang zur Kunst. Letztlich kam es zu keinem Studium der Psychologie – nach der Schule ging es für Nina zunächst nach London, um Malerei zu studieren.

Auch Anna fand bereits in frühen Kindesjahren ihr Interesse an der Kunst, allerdings – im Kontrast zu Nina – auf dem ‚klassischen‘ Weg. Sie selbst sagt, dass ihre eigenen Qualitäten des künstlerischen Ausdrucks eher bescheiden seien, sie habe sich vielmehr für die historischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge, die hinter der Kunst stecken, interessiert. Der ‚klassische Weg‘ beinhaltete erwartungsgemäß ein Studium der Kunstgeschichte. Der Zufall wollte, dass sie hierfür in Kassel landete, was sich in letzter Konsequenz als wesentlich für ihren weiteren Werdegang erwies. Anna nahm die Möglichkeit wahr und trat stets in regen Austausch mit den vielen freien Künstler*innen und Filmemacher*innen, die sich in Kassel aufhielten. In dieser Zeit erkannte sie ihre Leidenschaft für moderne und zeitgenössische Kunst, sodass sie im Master in Bochum ihren Schwerpunkt darauflegte.

 

Nina Paszkowski

Leidenschaft als Schlüssel zum Erfolg

Zwei äußerst unterschiedliche Anfänge im Kunstbereich – einen pädagogischen Schwerpunkt gab es jedoch weder bei Nina, noch bei Anna. Was braucht es also alles für den Weg in die Museumspädagogik?

Im Interview mit Anna und Nina möchte ich genau das herausfinden, ihre ungleichen Wege aufzeigen und damit eröffnen wie unterschiedlich der Weg in das Berufsfeld Museum sein kann.  Zwei Dinge werden im Gespräch mit den beiden schnell klar: Zum einen braucht es natürlich eine Leidenschaft für Kunst und ihre vielfältigen Arten und Prozesse. Zum anderen bedarf es aber auch einer genauso großen Leidenschaft für die Auseinandersetzung mit dieser Kunst und mit den Menschen die sie betrachten. Nina beschreibt Kunst als „ein Medium der Kommunikation und des Austausches mit anderen Menschen“. Sie sieht ihre Arbeit im Museum als Teil eines größeren Zieles, bei dem unter anderem Fragen nachgegangen werden, die sich mit der Funktion von Kunst in gesellschaftlichen und politischen Diskursen auseinandersetzen.

Es ist kein Fach, sondern eine Methode der kritischen Auseinandersetzung.

Vernetzung ist das A und O

Nur Leidenschaft reicht aber gewiss nicht aus, um eine Anstellung als Museumspädagog*in beim Museumsdienst Köln zu ergattern. Einige Stationen – auch wenn sie ganz unterschiedlich sein können – müssen dafür im Lebenslauf vermutlich schon aufgeführt werden.

Während Anna über ihre eigenen Stationen erzählt, wird klar, dass es äußerst wichtig ist, bereits sehr früh (etwa direkt zu Beginn des Bachelors) seine Augen und Ohren offen zu halten und sich nach Jobs und/oder Praktika umzuschauen. Annas erster Job? Eine Aufsicht im Fridericianum in Kassel: Dort war sie stets dazu angehalten mit den Besucher*innen ins Gespräch zu treten und ihre Fragen zur jeweiligen Ausstellung zu beantworten.

Durch diesen Job war der Brückenschlag zur Kunstvermittlung getan. Nach weiteren Stationen trat sie bei den jungekunstfreunde in Köln ein, was sich laut Anna als die beste Schulung entpuppte, die sie haben konnte. Durch den persönlichen Kontakt zu Kurator*innen sowie die Möglichkeit bei Ausstellungsaufbauten mal um die Ecke schauen zu können, gewann sie immer mehr Einblicke in die Museumsarbeit – und obendrauf wichtige Kontakte, durch die sie an weitere Jobs gelang, wie beispielsweise bei der Internationalen Photoszene Köln. Ihr Tipp: So viele Veranstaltungen, Praktika, Projekte wie möglich mitnehmen und ‚nicht nur in den Hörsälen sitzen‘. Viele Studiengänge beinhalten den Besuch im Museum nämlich nicht einmal.

Man muss selbst rausgehen und sich ganz viel anschauen und unbedingt selbst ins Museum gehen […] man muss mal abends in eine Vernissage gehen oder in einen Verein eintreten, der sich in dem Feld bewegt.

Wie Annas und Ninas weiterer Entwicklungsweg aussah, welche weiteren Elemente für eine Arbeit in der Museumspädagogik relevant sind, wie das Museum als ‚dritter Ort‘ agiert und inwiefern euch eine Weiterbildung in der Museumspädagogik weiterhilft, erfahrt Ihr im nächsten Beitrag.