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Freundin und Helfer oder Kreativitätskiller? – Social Media im Kulturbetrieb

von Marie Brüggemann

Heute machen wir ein ziemlich großes Fass auf – wir sprechen über Social Media. Vielmehr fangen wir an über Social Media zu sprechen, denn gewiss ist dieses Thema nicht in einem Beitrag zu behandeln. Beim Content createn muss schließlich auf zig Charakterzüge dieser gewissermaßen konstitutiven Komponente unseres Systems und damit auch unseres Berufsfeldes (und den meisten anderen auch) eingegangen werden. Wir möchten dabei den Algorithmus zu unserem besten Freund und unserer besten Freundin machen. Anfangs ist diese Freundschaft meist nur einseitig. Der Zutritt zum Inner Circle bedarf nämlich jeder Menge Arbeit: Shootings, Hashtaganalysen, Video Drehs und zu alledem den Durchblick über die sich ständig variierenden Trends zu behalten, beansprucht am Ende des Tages viel mehr Zeit und Energie als gedacht. Die schlechte Nachricht: Der Feierabend fällt oft flach. Instagram, Facebook und Co. wollen auch am Abend, Feiertag und Wochenende unsere volle Aufmerksamkeit. Das macht eine gute Freundschaft ja schließlich aus, oder? Immer ein offenes Ohr zu haben?

Ein Feuerwerk der Emotionen

Freude, Trauer, Wut, Schuld, Sehnsucht, Spannung, Heißhunger, Neid, Eifersucht, Vorfreude, Neugier – die Liste der durch TikTok-Videos oder Instagram-Reels entfachten Emotionen ist schier unendlich. Blogger:innen & Influencer:innen, die alte Schulfreundin, die jetzt um die Welt reist, Nachrichtendienste, Foodblogs, Achtsamkeits-Coaches, Fitness-Freaks, Comedians, Haar-Stylist:innen und ja, sogar Therapeut:innen – sie alle schaffen es ihren Follower:innen (und sich selbst) neue Perspektiven auf Leben und Erleben zu schaffen. Jetzt ist nur die Frage, was und wie viel ist davon tatsächlich notwendig und gesund? Was ist aus inniger Freundschaft zu den eigenen Follower:innen entstanden, was aus notwendiger Freundschaft mit dem Algorithmus? Was wir Euch an dieser Stelle schonmal verraten können: Beide Freundschaften sind relevant für uns.

Wie viel Social Media brauchen Kunst und Kultur?

Instagram, Facebook und Co. machen letztlich auch vor dem Kunst- und Kulturbereich keinen Halt. Denn, wie bereits zu Anfang erwähnt: sie sind – zumindest aktuell – unentbehrlich für Alle, die Präsenz zeigen wollen. Nicht nur Influencer:innen und Blogger:innen erobern Reels, Carousel-Posts und Story-Highlights. Business- und Creator-Accounts sind logischerweise auch Betrieben, Vereinen, Initiativen und Künstler:innen vorbehalten. Unternehmen sämtlicher Branchen sind mittlerweile Teil des Meta-Universe, das Facebook, Instagram und Whats-App beherbergt. Hier gilt es für die Business- und Creator-Accounts nun so viele Funktionen und Formate zu bespielen, wie möglich. Denn je mehr Content zu finden ist, desto größer die Reichweite und desto höher die Chance, dass auch im Real-Life Dein Event, Projekt oder Service Beachtung gewinnt. Darüber hinaus dient Instagram z.B. hervorragend als Suchmaschine für das Konzert, das die Nachbarin am Vorabend empfohlen hat. Ist die Konzert Location dann jedoch nicht direkt zu finden, entsteht direkt ein unprofessionelles Flair.

Dem Anschein nach, haben wir eine Komposition von Apps vorliegen, die unser Überleben in großem Maße gewährleistet. Und Überleben? Das braucht die Kultur wohl mehr als je zuvor. Die Meta-Freundschaft kann also beginnen! Wir möchten sie allerdings nicht blindlings anleiern. Wir wollen schließlich nicht unsere Kreativität, Individualität und unsere eigene Note verlieren.

Das rettende Boot?

Hilfe wird immer benötigt – und das gerade in schwierigeren Zeiten. Aber ist Social Media wirklich unser Boot, das uns wieder in sichere Gewässer bringt? Wie viel und was können wir mit gutem Gewissen nutzen und wo sollten wir nochmal genauer drüber nachdenken? Denn zeigen wir wirklich das, was uns gefällt oder vielmehr das, was dem Algorithmus gefällt? Geht es wirklich um die Präsentation dessen, was als Verein oder Künstler:in geschaffen wird oder nur um die Anzahl von Likes, Follower:innen und Co.?

Mit unseren Erfahrungen und denen anderer Social Media-Akteur:innen aus der Kulturszene wollen wir diese Fragen diskutieren, verschiedene Perspektiven beleuchten und kritisch beäugen, was das Meta-Universe mit unserer Kreativität macht. Gewiss ist, wer sich der Welt der sozialen Medien widmet, sollte sich über das ein oder andere im Klaren sein, um die Plattformen für sich richtig nutzen zu können. Wir sind der Meinung: Wir brauchen und mögen unsere Freundschaft mit Social Media. Was wir für diese Freundschaft hergeben, wollen wir jedoch selbst bestimmen.